Meppen: Es bewegt sich etwas am Meppener Kreishaus: Löcher entstehen, Erdaushub wird wegtransportiert – dass alles für ein neues Rechenzentrum mit Büros, welches das inzwischen über 40 Jahre alte Verwaltungsgebäude unter KRITIS-Vorgaben auf ein neues Niveau heben wird. „Wir werden damit die Daten- und Stromversorgung für die kommenden Jahrzehnte krisensicher machen“, sagt Landrat Marc-André Burgdorf.
Während Server, Speicher und Netzwerke in den vergangenen Jahren immer moderner geworden sind, ist das Gebäude, in dem ein Großteil der Technik heute untergebracht ist, inzwischen gute vier Jahrzehnte alt. Das Meppener Kreishaus, das im Dezember 1984 offiziell eingeweiht wurde, gehört als Kritische Infrastruktur (KRITIS) zu den Einrichtungen und Organisationen, deren Ausfall oder Beeinträchtigung Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder dramatische gesellschaftliche Folgen nach sich ziehen würde. Für entsprechende Schutzmaßnahmen, unter anderem auch gegen Cyber-Bedrohungen oder auch Sabotage und Naturkatastrophen, muss daher gesorgt werden. In diesem Zusammenhang entsteht der Neubau für die IT, der eine leistungsfähige Netzersatzanlage, ein modernes Brandschutzkonzept und ein neues Leitungsnetz erhalten wird.
Eine freie geeignete Baufläche, die den Vorgaben einer KRITIS-Bewertung entspricht, fand sich vom Haupteingang gesehen hinter dem Kreishaus in Richtung Wichernstraße und Damaschkerring. Das dort aktuell entstehende Gebäude, dessen Fassade teilbegrünt werden soll, soll über eine Grundfläche von über 656 m² auf drei Etagen verfügen. In zweien davon sollen Büros eingerichtet werden, in einer Etage befindet sich das Rechenzentrum. Das Gebäude solldem Standard Verfügbarkeitsklasse 2 (VK2) entsprechen, damit eine Ausfallsicherheit gewährleistet ist.
In das Rechenzentrum ziehen zahlreiche bereits bestehende Systeme der IT-Infrastruktur ein. Darüber hinaus werden einige Komponenten neu beschafft, um die immer weiter steigenden Anforderungen an die sichere Speicherung, Verarbeitung und Verteilung riesiger Datenmengen zu gewährleisten.
Da ein Stromausfall ernste Folgen hätte, ist das Rechenzentrum mehrfach abgesichert. Dazu gehört die unterbrechungsfreie Stromversorgung mit einem modernen und leistungsstarken 450kVA-Notstromaggregat, welches die bisherige Anlage ersetzen wird. Das Notstromaggregat findet östlich des Rechenzentrums seinen Platz. Die zentrale Stromverteilung wird in das Rechenzentrum verlegt, um die Netzersatzanlage nach VK2 Vorgaben einzubinden.
Der Zugang zum Sicherheitsbereich wird mit einer Zwei-Faktor Authentifizierung überwacht. Zudem schützen entsprechende Brandschutzsysteme die IT-Infrastruktur. Da die vielen Rechner eine enorme Hitze erzeugen, sorgt eine spezielle Kühlung (Sidecooler in Verbindung mit Freikühlern) für das Abführen überschüssige Abwärme und einen optimalen Betriebszustand.
Der Bau des Rechenzentrums wurde Mitte Juni begonnen. Die Fertigstellung ist für Ende 2027 geplant. Die Kosten für das neue Rechenzentrum mit Bürogebäude belaufen sich voraussichtlich auf etwa 2,24 Mio. Euro. Weitere rund 1,2 Mio. Euro müssen in die erforderliche technische Ausstattung des neuen Standorts investiert werden.
Foto: Landkreis Emsland
(PM)
(03.07.26)